Die Geschichte der Hütte

Die Idee, eine Skihütte auf dem großen Kienberg zu bauen, kam von den aktiven Mitgliedern des Skiclubs, welcher 1926 gegründet wurde und damals 28 Mitglieder hatte. Ihr Wunschtraum war eine eigene Hütte. Prominente Mitglieder, wie August Riedl nahmen die ganze Angelegenheit in die Hand und mit dem Forstamt Ruhpolding Kontakt auf. Mit Hilfe der Forstbeamten Theo Merkel und Förster Steiner wurde der Bau genehmigt.

Einem Verhandlungstermin wurde am 30. Dezember 1932 stattgegeben und ein Vertrag ausgehandelt. Die Verhandlungspartner vom Skiclub waren August Riedl, Anton Fritzer, Hans Huber und Josef Ausfelder. Die Oberforstdirektion München genehmigte den Vertrag am 4. Mai 1933. Erst jetzt konnte ein Plan gefertigt werden. Planfertiger war Josef Dufter (Jahrgang 1906). Eine Wasserquelle zu finden war wichtig. Es durften Steine für den Rohbau gesammelt, der Kalkofen gesetzt und das Bauholz gehackt werden. Kurz gesagt, alles was zum Bau einer Hütte gebraucht wurde, musste hinaufgeschleppt werden. Lehrer Anton Fritzer ließ im September durch drei Schulklassen im Rahmen eines Schulausfluges Holzschindel hinauftragen.

Der genehmigte Plan kam am 2. Oktober und kostete 9,08 RM. Mit 97,88 RM in der Kasse konnte man den Bau beginnen. Josef Dufter (Jahrgang 1877, Altmeister) ging mit seinen Maurern hinauf. Es ist schade, dass auf Grund fehlender Unterlagen hier vielleicht nicht alle namentlich erwähnt werden. Dank der guten Vorarbeit und der Arbeitsfreude war das Mauerwerk in knapp zehn Tagen fertig. Die Fenster und Türen wurden dabei gleich mit eingemauert. Der Dachstuhl wurde abgebunden und aufgestellt und am 29. November 1933 wurde das Dach eingedeckt. Die wahre Energieleistung beim Bau der Hütte vollbrachten junge Männer, die bis zu 3 x täglich mit 80–90 Pfund auf dem Rücken hinaufstiegen.

Im Winter 1933/34 begann der Innenausbau. Es wurde ausgeschalt und die Decke aufgenagelt. Kaum war der Ofen fertig, schlief man auf provisorisch hergerichteten Bänken und auf dem Fußboden. Am 29. März waren die Etagenbetten fertig, in denen bequem 12 Mann schlafen konnten.
Da die Kasse jetzt leer war, veranstaltete Lehrer Karl Ampferl (Jahrgang 1902) zusammen mit August Riedl die sog. „Aktion Bausteine“. Auch das Jagdkonto Steiner sollte erwähnt werden. Hans Huber organisierte bald wieder eine große Tragaktion. Es wurden die Bretter für die Holzhütte, die Windladen, die Einrichtung und alles was man noch brauchte hinaufgetragen. So wurde die Hütte allmählich fertig. Am 3. Mai 1935 trugen Franz Höck, Sepp Heiß, Hubert Höck, Heinrich Allerberger und Ludwig Winkler den ersten Küchenherd hinauf, der lt. Rechnung 45 RM kostete. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Hütte dem Ansturm der Übernachtungen nicht gewachsen war.

Man fing an, den Kniestock auszumauern und einzurichten. Da die meisten Hüttenerbauer wieder in Arbeit standen, viele aber auch zur Wehrmacht oder zum Arbeitsdienst mussten, trat eine neue Generation an um die Hütte fertig zu bauen. Dazu gehörten: Hermann Schwaiger, Hubert Leitner, Philipp Geisreiter, Johann Nitzinger, Hans Kraus, Georg Kötzinger, Hans Reiter, Hans Leitner und Andreas Brand. Im Winter 1937/38 konnte man oben schlafen. Im Sommer 1938 war es dann soweit, dass bis zu 30 Mann übernachten konnten. Der Zweck des Hüttenbaus war erfüllt. Bis April 1939 sind für die Hütte rund 1.120 RM ausgegeben worden.

Der erste Hüttenwart war Franz Höck. Die erste Hüttenmutter war Paula Reiter aus Inzell mit Resi Huber aus Traunstein. 1943 wurde Hans Reiter von August Kamml beauftragt sich um die Hütte zu kümmern. Die Hütte erfreute sich großer Beliebtheit. Wie man in alten Hüttenbüchern lesen und erahnen kann, ging es oben immer lustig und gesellig zu. Leider können die Wände der Hütte nicht sprechen, sie könnten uns sicher viele schöne Geschichten erzählen.

Nach Kriegsende übernahm Hans Kraus die Skihütte. Er baute damals schon ein Windrad zur Stromerzeugung, welches leider auf Grund fehlender Materialien bald wieder aufgegeben werden musste. Es folgten weitere Hüttenwarte, zu denen unter anderem auch Werner Kühne, Harry Reiter und Sepp Hültner gehörten.

Als wieder mal eine neuer Hüttenwart gesucht wurde, begann die Ära „Fips und Dora“. Philipp Dingeldein lag die Erhaltung der Hütte sehr am Herzen. Er brachte es sogar fertig sich ein legendäres Fahrzeug zu beschaffen, um alles erforderliche Material, Werkzeug und Sonstiges transportieren zu können. Zu seinen oben geleisteten Arbeiten gehörten unter anderem der Anbau der Holzhütte, in der auch eine Kühlkammer Platz fand, die Holzdecke in der Stub´n, Dacheinblechung und Quellerfassung. Dora kaufte Stoff und nähte neue Bettwäsche, Gardinen und Tischdecken. Dies alles konnte nur bewältigt werden, weil Fips regen Zuspruch bei vielen Helfern und Gönnern fand. Zu erwähnen wäre noch, dass in seiner Zeit auch ein neues Gipfelkreuz aufgestellt wurde. Im Zuge einer Gebirgsübung bewirkte Josef Stehböck bei seinem Vorgesetzen (Hr. Pöschl) einen Hubschraubereinsatz, um das von Ferdinand Köllerer angefertigte Kreuz hochfliegen zu lassen.

Da Fips und Dora aus Altersgründen ihren geliebten Posten aufgaben wurde Sepp Kopp mit Frau Karin kommissarisch für ein Jahr Hüttenwart. Zum damaligen Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass er durch viel Freude an der Sache bis zum heutigen Tag Hüttenwart der Skihütte des SC Inzell bleiben würde. Ausschlaggebend war auch, dass sich so viele Freunde als Helfer und Sponsoren hinter ihn stellten. Alle hier jetzt namentlich zu nennen ist unmöglich.

Da die Hütte nach etlichen Jahren schon wieder einige Mängel aufwies, machte Sepp sich die Renovierung und Erhaltung zur Aufgabe. Der Schlafraum bedurfte dringend einer Erneuerung. Es wurde alles Alte entfernt, neu isoliert und mit hellem Holz ausgeschalt. Auch ein neuer Fußboden und neue Fenster mussten her. Da sich die Hütte mittlerweile immer größerer Beliebtheit erfreute, Groß und Klein gerne hinaufgingen, entschloss sich der Hüttenwart auch die Betten zu erneuern. Es wurden einteilige Matratzen und neue Bettwäsche besorgt. In der Hütte selber fiel auch einiges an was einer Renovierung bedurfte. Die Fenster wurden erneuert, sowie neue Bänke angefertigt. Einen neuen Küchenkasten (Pfarrer Hessenhofer) bekam man vom Inzeller Mesner geschenkt, neue Glaslampen wurden montiert. Da nach den vielen Jahren der alte Herd seinen Geist aufgab, besorgte man einen neuen.

Ein altes Mitglied freute sich über die gute Erhaltung der Hütte so, dass er spontan eine neue Eingangstür spendete (Masch/Burghausen). Da der Innenraum oft bei größeren Gruppen sehr knapp war, kam man auf die Idee, den Vorraum mit einem Fenster zu versehen, neu zu verschalen und eine Schiebetür einzubauen. Dieser Raum erfreut sich inzwischen auch im Winter sehr großer Beliebtheit bei Tourengehern. Außen bekam die Hütte neue Dachrinnen und Säulen.
In seiner ganzen Zeit als Hüttenwart wurde Sepp Kopp vom „Schneiderwofal Kuchetisch“ stark unterstützt. Der Stammtisch machte es sich zur Aufgabe, die Hütte mit Brennholz zu versorgen.

So entstand die alljährliche Holzaktion, die jedes Jahr um einen bestimmten „Sondereinsatz“ ergänzt wurde. Dazu gehörten: neue Holzhütte, Quellenerneuerung, Zaun, Holz- und Steinterrasse und die Wegerneuerung. Ein Mitglied dieses Stammtisches, Toni Maier, der immer ein großer Helfer, Gönner und Freund unserer Skihütte war, spendete für die neue Terrasse einen großen Tisch und Bänke. Auch hier sei zu erwähnen, dass nicht alle Helfer namentlich genannt werden können. Glücklich schätzte sich der Hüttenwart auch, dass für sämtliche Transportzwecke Josef Rieder (Moaster Sepp) mit seinem Fahrzeug zur Verfügung stand.

Eine Besonderheit ist nach wie vor die jährliche Bergmesse für unsere verstorbenen Berg- und Sportkameraden. Sie findet jeweils Mitte August statt, und lockt immer wieder zahlreiche Bergfreunde auf die Skihütte.

Der größte Wunsch unseres jetzigen Hüttenwart ist es, dass die Hütte noch vielen Generationen erhalten bleibt und weiterhin von so vielen Mitgliedern genutzt werden kann.